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Dr. Dieter Anselm, Allianz-Zentrum für Technik, München 

Arbeitskreis VII:
Kfz-Reparatur mit Gebrauchtteilen

Die Unfallreparatur von Fahrzeugen mit gebrauchten Original-Ersatzteilen ist technisch einwandfrei möglich, ökologisch sinnvoll und kostensparend. Diese "zeitwertgerechte Reparatur" sollte in Deutschland verstärkt eingesetzt werden. In den USA und Schweden ist dies bereits gängige Praxis.

Der Kostenvorteil dieser Reparaturmethode liegt in den USA bei rund 7 Prozent. Dieses Ergebnis kann in Deutschland derzeit noch nicht erreicht werden, wie eine Studie des Allianz-Zentrums für Technik mit stark am Markt verbreiteten Fahrzeugmodellen (VW Golf III, Renault 19, Mercedes C 180) beweist. Das Angebot an Gebrauchteilen ist noch unzureichend. So konnten die meisten bestellten Gebrauchteile selbst von großen Wiederverwertungsbetrieben überhaupt nicht geliefert werden (86 Prozent) oder es wurden falsche Teile versandt. Von den angelieferten Ersatzteilen war über die Hälfte nur noch Schrott. Außerdem waren die Lieferzeiten zu lang und die wenigen brauchbaren Teile mußten aufgrund erheblicher Beschädigungen aufwendig gerichtet und lackiert werden.

Der Kostenvorteil der "zeitwertgerechten Reparatur" gegenüber der Reparatur mit Originalersatzteilen lag bei Kleinreparaturen im Test (beste Verfügbarkeit aller wichtigen Teile; nur Volumenmodellen) bei 21 Prozent, bei mittleren und schweren Schäden bei rund sieben Prozent. Auf den gesamten Markt unter realistischen Bedigungen hochgerechnet reduzierten sich diese Preisvorteile gegenüber der Neuteile-Reparatur auf nur noch 3,5 Prozent.Grund: Gebrauchtteile von weniger gefragten Automodellen sind bisher fast gar nicht und von Volumenmodellen nur bedingt verfügbar.

Soll sich die Unfallreparatur mit Gebrauchtteilen auf dem deutschen Markt durchsetzen, müssen nach Ansicht der Autoversicherer folgende Bedingungen erfüllt werden:

  • Das Angebot hochwertiger, gebrauchter Ersatzteile muß für alle Fahrzeug-Typen deutlich verbessert werden.
  • Die EDV-Systeme der Großrecycler und Versicherer müssen vernetzt werden.
  • Die Anlieferung von Gebrauchtteilen muß innerhalb von 1 bis 2 Tagen erfolgen.
  • Die Qualität der Ersatzteile muß vor der Bestellung durch ein "Gütesiegel" (z. B. erste, zweite, dritte Wahl) ersichtlich sein.
  • Der Aufwand für Lackierungen gebrauchter Teile muß deutlich definiert werden (Zeitvorgabe-Katalog), um die Wirtschaftlichkeit frühzeitig abschätzen zu können.
  • Die Lieferung falscher Teile muß über ein "intelligentes Ersatzteilnummern-System" ausgeschlossen werden.
  • Ein jährlicher Qualitäts-Nachweis sollte Wiederverwerter auszeichnen, die Ersatzteile einwandfrei lagern und ohne Beschädigungen verteilen.

Darüber hinaus muß genau festgelegt werden, welche Gebrauchtteile überhaupt eingesetzt werden dürfen (Ersatzteil-Korb). So können nach Meinung der Versicherer Karosserieschraubteile (Kotflügel oder Kühlergrill) ohne Bedenken eingesetzt werden, unfallfreie Einschweißteile (Seitenteil, Heckabschlußblech, Motorlängsträger) dann, wenn sie fachmännisch aus dem Auto herausgetrennt wurden und sicherheitsrelevante Gebrauchtteile (Sicherheitsgurt, Airbag, Lenkung, Bremsen) nur, wenn sie wiederaufbereitet wurden und der Recycler eine Garantie gibt. Werden die Forderungen der Versicherer in die Praxis umgesetzt, können Werkstätten und Sachverständige die Unfallreparatur mit gebrauchten Teilen schnell und zuverlässig per EDV kalkulieren. Die "zeitwertgerechte Reparatur" kann sich so in Deutschland rasch etablieren und zu günstigeren Unfallreparaturen führen. Goslar, 28. Januar 1999

Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. GDV
 
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